Die schneebedeckten Glocken im Glockenstuhl

Glocken künden Zeit und Stunde. Sie läuten den Tag, den Feierabend und den Sonntag ein, sie begleiten die Toten auf ihrem letzten Weg. Die Tageseinteilung des christlichen Mittelalters, nämlich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang und wiederum von Sonnenuntergang bis zum Sonnenaufgang und die Stundeneinteilung nach der klösterlichen Gebetsordnung oder dem Meßdienst der Pfarrkirchen - beides wurde durch Glockengeläut angezeigt - dieses grobe Zeitraster lebt in der heutigen Läuteordnung fort.Die Glocken sind das hörbare Zeichen dafür, dass die Kirche im Dorf ist.

Zum Zeitpunkt des Kirchenbrandes am 07. November 1999 besaß die St. Martins-Kirche in Roringen fünf Glocken: drei Bronze-Glocken und zwei Eisenhartgussglocken. Die Bronzeglocken hingen im Glockenstuhl und bildeten das Geläut. Die kleinere der Eisenglocken hing fest montiert über dem Geläut im Turm und lieferte der Uhr den Schlagton. Die größere der Eisenglocken, die gesprungen war, stand auf der Südseite der Kirche im Kirchhof.

Glocken gab es auch schon früher. Wir wissen allerdings bislang nur wenig davon. Im Dreißigjährigen Krieg wurde eine Glocke der Roringer Kirche zerstört.
Die Kirchenglocken im 17., 18. und 19. Jahrhundert

Kirchenakten aus dem Jahr 1872 berichten, dass es derzeit zwei Glocken gab. Die große Glocke stammte aus dem Jahre 1646, die kleine Glocke aus dem Jahre 1720.
Einer Notiz aus dem Jahre 1925 ist zu entnehmen, dass eine Kirchenglocke von 312 kg Gewicht im Ersten Weltkrieg am 31. August 1917 abgeliefert werden musste. Ferner wurde eine Bronzeglocke beim Erwerb der Eisenglocken im Jahre 1925 in Kommission gegeben. Es ist zu vermuten, dass es sich bei diesen beiden Glocken um das alte Geläut gehandelt haben könnte, von dem der Bericht von 1872 Kunde gab.


Die Eisenglocken

Die beiden Eisenglocken wurden im Auftrage der Kirchengemeinde Roringen von der Gießerei Ulrich & Weule im Bokenem 1925 gegossen und am 8. Dezember 1925 ausgeliefert. Die grössere Glocke mit einem Durchmesser von 1,14 m am unteren Rande und einem Gewicht von 660 kg klang in a´. Sie trägt zum Gedenken der Gefallenen des
1. Weltkrieges folgende Inschriften:

"Unseren Gefallenen zu Dank und Ehren."
"Zerschlagen in eiserner Zeit fürs Vaterland zur Wehr,
Erneut bin ich bereit, zu dienen Gottes Ehr."

In einem Bericht von 1950 findet sich erstmals der Hinweis darauf, dass die grosse Glocke gesprungen war. Sie wurde 1966 aus dem Glockenstuhl genommen und - mit einem Kreuz auf stilisierter Erdkugel - auf dem Kirchhof, an der Südseite der Kirche, aufgestellt.

Die kleinere Glocke, die einen Durchmesser von 95 cm aufweist und ein Gewicht von 360 kg besitzt, hat den Schlagton c´. Sie wurde 1966 als Uhrschlagglocke über der Glockenstube fest montiert.


Die drei Bronzeglocken

Im Jahre 1966 erhielt die St. Martins-Kirche ein neues Geläut. Drei Bronzeglocken wurden am 20.05.1966 von der Fa. Reichert in Bad Friedrichshall geliefert.

  • Die grösste der Glocken mit dem Schlagton g´ besitzt einen unteren Durchmesser von 1066 mm und ein Gewicht von 662 kg. Sie wurde 1952 von Gebr. Bachert/Knochendorf gegossen. Ihre Inschrift: "Betet ohne Unterlass".
  • Die mittlere Glocke mit dem Schlagton b´ weist einen Durchmesser von 875 mm auf und ein Gewicht von 420 kg. Sie wurde 1884 von Joh. Hermann Memmingen, gegossen und trägt die Inschrift: "Wenn ich rufe höret meine Stimme".
  • Die kleinste der Glocken mit dem Schlagton c´´ durchmisst maximal 767 mm und wiegt 296 kg. Sie wurde 1928 von Hch. Kurtz, Stuttgart gegossen. Ihre Inschriften lauten: "Ich bin die Auferstehung und das Leben" und "Gestiftet von Petros Georgian MDCCCCXXVIII" (1928).

Die drei Glocken mit den Schlagtönen g´- b´- c´´ ergeben ein charakteristisches Geläut, das das "Te-Deum-Geläute" genannt wird.




Durch den Brand am 07. Nov. 1999 erlitten die vier Glocken, die im Kirchturm hingen, keine Beschädigungen. Sie wurden am 02. Dez. 1999, nachdem der Helm des Turmes abgehoben war, aus der Glockenstube gehievt und für die Bauzeit auf dem Kirchhof deponiert. Seither ist die Kirche stumm. Nur der Wind, der durch das Gestänge des Aussengerüstes und der Überdachung bläst, erzeugt einen merkwürdigen Klang.
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Die überdachte Kirche

Die Turmuhr der St. Martins-Kirche zu Roringen

Vor mehr als sechzig Jahren hatte die Gemeinde erstmals versucht, eine Kirchturmuhr zu beschaffen. Der 2. Weltkrieg verhinderte das Vorhaben. Beim zweiten Anlauf – der Auftrag war schon erteilt – entwertete die Währungsreform vom 20. Juli 1948 das gesammelte Geld. Der Auftrag musste annulliert werden. Erst 1962 hat die St. Martins-Kirche eine Turmuhr und eine Läuteeinrichtung erhalten. Die Zeiger der Turmuhr weisen auf Zeitpunkte zwischen 08.34 und 08.49 Uhr des Sonntags, dem 07. November 1999, auf den Zeitraum, da der Brand das Regulierwerk der Uhr im Kirchturm zerstört hat.

Der erste Versuch
Im März 1936 wandte sich das Pfarramt der Kirchengemeinde Roringen an das Landeskirchenamt mit dem Wunsche, eine Turmuhr für die St. Martins-Kirche zu beschaffen. Diese Uhr wäre die erste Uhr am Turm der Kirche gewesen. Doch der 2. Weltkrieg verhinderte offensichtlich das Vorhaben.
Der Traum von der Turmuhr
Nach dem zweiten Weltkrieg, im Juni 1946, legte die Fa. Weule, Bokenen ein Angebot zum Einbau einer Turmuhr und einer Uhrschlagwerkes vor. Es wurde im Frühjahr 1947 weiter präzisiert und offensichtlich in Auftrag gegeben, denn die Herstellerfirma begründete im November 1947 eine Verzögerung mit dem Hinweis auf unerwartete Stromabschaltungen. In der Zwischenzeit hatte Pastor Harms eine Sammlung zur Finanzierung der Uhr durchgeführt und eine erhebliche Summe zusammengetragen.
Wohl zur Beschleunigung der Herstellung ist das Angebot des Pfarramtes im Mai 1948 zu verstehen, vier oder fünf Garnituren von Arbeitskleidung für die Belegschaft der Fa. Weule zu beschaffen. Auch wurde mit Datum des 09. Juni 1948 geregelt, dass die Gemeinde Uhr und Läutewerk selbst mit LKW abholen würde.
Am 20. Juni 1948 erfolgte die Reform der Währung. Alle Sparguthaben wurden auf 10% abgewertet. Die nun zur Verfügung stehende Summe reichte nicht aus, um Uhr und Läutewerk zu kaufen. Der Kirchenvorstand beschloss, den Auftrag zu annullieren. Der Traum von der Kirchturmuhr war vorbei.
Die gesprungene Eisenglocke

Die Realisierung im Jahre 1962

In der Mitte des Jahres 1961 wurden Kirchenvorstand und Pfarramt erneut in Sachen Turmuhr und Läutewerk aktiv. Dafür gab es nachhaltige Gründe:

  • die große Stahlglocke, so wurde 1961 berichtet, war bereits vor 10 Jahren gesprungen und wurde deshalb nicht mehr geläutet.
  • Die Küsterin, die das Läuten der kleinen Glocke bislang besorgt hatte, war im Februar 1961 gestorben. Niemand hatte sich gefunden, dieses Amt zu übernehmen. Seither läuteten die Glocken nur am Sonntag zum Gottesdienst .
  • Eine Spendenaktion in der Vorweihnachtszeit, die mit dem Motto "Im Advent wieder Tagesgeläut" warb, erbrachte stattliche DM 2.500.- für die Läuteeinrichtung unter den 120 Haushalten des Dorfes.
Im Juli 1962 schliesslich installierte die Fa. Perrot aus Calw/Schwarzwald die Turmuhr mit drei Zifferblättern auf N-, W- und S-Seite des Turmes. Eine Zeitschaltautomatik regelte das tägliche Läuten, eine Automatik das Betglockenschlagwerk. Diese Anlage zerstörte Brand am 7. November 1999.
Die Aufnahmen auf dieser Seite stammen von:







1. S. Ritzkowski
2. S. Ritzkowski
3. Göttinger Tageblatt