Die St. Martins-Kirche zu Roringen (historische Aufnahme)

Inmitten des Dorfes, umgeben von dem Kirchhof und durch eine mächtige Natursteinmauer abgegrenzt von den Straßen, liegt die St. Martins-Kirche. Gedrungen wirkt die Kirche, die aus den Bauteilen Turm und Schiff besteht. Beide sind fast gleich breit. Der breite Turmhelm nur überragt das Dach des Schiffes, das auf der Ostseite eine Walmabdachung (Krüppelwalm) aufweist.
Der trutzige Turm
Die Kirche wird im Jahre 1254 erstmals urkundlich erwähnt. Wenn Teile des alten Baus noch existierten, so wären sie in dem trutzigen Turm zu suchen. Der heutige Kirchenraum ist in den Jahren 1747/48 an den Turm angebaut. Die Kirche ist nach Osten ausgerichtet. Die Eingangstür liegt in der Südseite. Ein Fenster in der Ostwand und je drei Fenster auf Süd- und Nordseite sowie ein Oberlicht über der Eingangstür sorgen für die Tagesbeleuchtung. Die Schallfenster im Turm sind nach Süden, Westen und Norden gerichtet.
Der Kircheneingang


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lle Wände von Turm und Kirche sind aus massigen Kalksteinen (Oberer Muschelkalk, Trias) gefertigt, die aus Steinbrüchen der Gemarkung stammen. Auch für die Ecksteine sind sorgfältig behauene Kalksteine ausgewählt. Die Füllungen von Tür und Fenstern im Schiff sind dagegen aus rotem Sandstein. Die lebhafte Struktur der hohen Sprossenfenster und die Tonziegel auf Dach und Turm als naturrote Hohlpfannen sind ebenfalls Merkmale der ortstypischen Bauweise.
Die Kirche vor dem Brand

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as Gebäude besitzt folgende Außenabmessungen (außen):
Länge: Turm 6.25 m Schiff 16.25 m mx. Länge 22.50 m
Breite: Turm 8.37 m Schiff 8,73 mx. Breite  8.73 m
Höhe: Turm 11,40 m Helm 5,60 m mx. Höhe   17.00 m
Höhe: Schiff 6,15 m Dach 4.55 m First-Höhe  10.45 m
Der Altar

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er rechteckige Kirchenraum wird von einer tonnenförmigen, parabolischen Holzdecke überwölbt, die eine lichte Höhe des Raumes von ca. 8.45 m gewährt. Unter die alte Holzverschalung von 1747/48 wurde 1956/57 eine 15 mm starke, gespundete und gestäbte Deckenschalung aus Fichtenholz genagelt.

An der Ostseite des Kirchenraumes steht der Altar aus Natursteinen, der eingefügt ist in ein Altarretabel mit der Kanzel über dem Altar. Priechen für den Pastor und den Patron flankieren das Retabel. Diese Einrichtung stammt aus dem Mitte des 18.Jahrhunderts, während die beiden weiteren Priechen für den Kirchenvorstand einige Jahrzehnte später (Ende 18. Jh.) angefügt wurden. Zur Erstausstattung der Kirche gehören auch die Holzbänke des Kirchenschiffs.

 

Die dreiseitig umlaufende Emporenanlage zieht den Turm als Standort der Orgel ein in den Kirchenraum. Die erste Orgel der Kirche, gebaut 1727, wurde in die neugebaute Kirche übernommen. Im Jahre 1846 wurde eine neue Orgel eingeweiht, die der Orgelbauer A. v. Werder aus Elliehausen gebaut hatte. Sie wurde beim Brand am 07. November 1999 völlig zerstört.

Klappbare Fenster trennten vom Kirchenraum die ebenerdige Turmvorhalle ab, von der aus die beiden Treppen zur Orgelempore, den beiden Seitenemporen und dem Turm führten.

Blick auf die Orgelempore
Der Taufstein

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er Taufstein weist auf das Jahr 1698 als Jahr der Herstellung. Er ist aus einem Block hellen Sandsteins gefertigt. Ein gleichartiger Taufstein aus dem Jahre 1697 steht in der Kirche St. Cosmas und Damian der Gemeinde zu Herberhausen, mit der Roringen unter einem Pfarramt verbunden ist.

Die Kirche erhielt 1966 drei Bronzeglocken des Geläutes mit den Schlagtönen g´ b´ c´´ (Te-Deum-Geläut). Von den beiden Eisenhartgussglocken (1925) diente die kleinere als Uhrschlagglocke, die größere Glocke, die durch einen Sprung beschädigt war, steht zur Erinnerung an die Kriegtoten des ersten Weltkrieges (1914-18) im Kirchhof. Die Kirchturmuhr auf Süd- West- und Nordseite des Turmes stammt aus dem Jahre 1962.

Der Kirchhof diente bis zum Jahre 1868 als Friedhof des Ortes. Er wird von einer Kalksteinmauer von ca. 200 m Länge vollständig umgeben. Von dieser Mauer gibt eine Urkunde aus dem Jahre 1433 erstmals Kunde. Das Trockenmauerwerk ist von einer ausserordentlich reichen Flora (Mauerfugengesellschaft) besiedelt. Er bietet auch drei Rote-Liste-Arten, die besonderen Schutz erfahren, ein Refugium (Sekundärstandort).

Kirche, Kirchhof und Mauer bilden eine geschlossene Einheit. Sie stellen nicht nur die räumlichen und religiösen Mittelpunkt des Ortes dar, sie sind ein soziales und kulturelles Denkmal, an dem die Geschichte des Ortes erfahrbar wird.

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Die Kirchhofmauer
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1. Lichte Pfannekuche / Göttingen
2. Historische Aufnahme
3. S. Ritzkowski
4. Gemeindearchiv Roringen
5. Reinhard Lott, Architekt
6. Reinhard Lott, Architekt
7. S. Ritzkowski
8. S. Ritzkowski