Aus dem Turm quillt der Rauch

"Ich möchte mit Euch reden"
Ich, Eure kleine, behäbige Dorfkirche von Roringen, möchte mit Euch reden, weil ich Euch brauche. Ich kann Euch jetzt nicht einmal mehr "Guten Morgen" zurufen und abends verkünden "Das Tagwerk ist vollbracht".
In meiner schwersten Stunde haben viele von Euch um mich herumgestanden - sprachlos, in Gedanken an das, was wir alles zusammen erlebten. Die Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten und Aussegnungen, das heißt Freude, Hoffnung, Trauer - das verbindet. Oft habe ich allerdings durch meine Helfer - die Glocken - vergeblich gerufen und das hat mich schon manchmal verletzt (und nachdenklich gemacht).
Das  Löschwasser fließt heraus
Jetzt stehe ich in Eurer Mitte und bin selbst schwer verletzt, innerlich ausgebrannt und meines Herzstückes, der alten Orgel, beraubt. Ich habe Schmerzen bei jedem Eingriff, wohlwissend, daß es ja zu meiner Heilung nötig ist. Ich friere, ich bin sprachlos, denn mein Altar ist leer und schwarzverrußt. Dankbar bin ich, daß der gute, alte, mir so vertraute Efeu dem Feuer getrotzt hat und mich jetzt schützend umgibt.
Das russgeschwärzte Holzrelief
Ihr habt mir den St. Martin als Schutzpatron zur Seite gegeben, ich trage seinen Namen. Gleich seinem Tun habe ich versucht, auch Euch immer zu helfen - Freude mit Euch zu teilen, Leid zu lindern. Jetzt aber stehe ich um Eure Hilfe bittend vor Euch.
Wie im weltlichen Leben so ist es auch im kirchlichen Leben: die "Krankenkasse" zahlt nicht alles! Und so brauche ich in den nächsten Wochen und Monaten finanzielle Unterstützung. Versagt sie mir nicht, denkt daran, wie hilflos Ihr um mich herumstandet als ich brannte und Ihr Euch wünschtet, etwas für mich tun zu können.
Die Orgel von 1846
Wenn ich im nächsten Jahr vollkommen genesen bin - wenn auch um Unwiderbringliche Schätze ärmer, aber an einem Stück Kirchengeschichte reicher - werden wir einen Gottesdienst feiern im Gefühl, meinen Neubeginn gemeinsam geschafft zu haben!

So gut ich in meinem jetzigen Zustand kann, sage ich schon einmal danke!
Eure alte Dorfkirche
Text: Beate Schwarz
 

 

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