Tagebuch der Wiederherstellung
zurück 6.02.2000 weiter
In dieser Woche zogen die Brandsanierer der Fa. Plate/Sehnde ein. Sie reinigten alle brandgeschädigten Oberflächen von Stein und Holz mit einer Art Sandstrahl-Verfahren bei geringem Druck (Joos-Verfahren). Der Innenraum der Kirche ist nun wieder hell, die Anstriche , die sich unter der Hitze verflüssigt und zu Blasen oder Wülsten verformt hatten, sind entfernt, die verkohlten Holzoberflächen abgefrässt. Die Arbeiter mit Atemmasken und in silbergrauen Spezialmonturen, die sie völlig einhüllen, sehen fast wie Astronauten aus. Druckschläuche durchziehen den Kirchenraum und einzelne Sonnenstrahlen lassen erkennen, wie der reflektierende, feine Staub zu Boden sinkt.
Für die Gemeindemitglieder sind die Wiederherstellungsarbeiten verborgen. Die Baustelle ist abgezäunt, der Zugang nicht erlaubt. Dieses Reglement ist notwendig und geboten, um Gefahren abzuwenden und ein unbehindertes Arbeiten auf der Baustelle zu gewährleisten. Dennoch hat die Gemeinde ein Recht auf Information. Sie will die Wiederherstellung der Kirche miterleben. Deshalb wurde mehrfach der Wunsch geäussert, die Kirche von innen zu sehen: die schwarze Kirche, das zerstörte Inventar, die leere Kirche, den offenen Dachstuhl – Einblicke, die nur kurze Zeit möglich sind, die nie wiederkommen. Wir haben deshalb an Wochenenden einzelnen Mitgliedern der Gemeinde die Kirche gezeigt, ihnen die Möglichkeit geboten, Anteil an der Wiederherstellung zu nehmen.
Wir planen einen Basar etwa zum Jahrestag des Brandes. Er soll die vielfältigen kreativen Fähigkeiten der Roringer Bürgerinnen und Bürger in Ateliers, Küche und Werkstätten sichtbar machen. Die Verkaufserlöse dienen der Wiederherstellung der Kirche. Eine grosse Patchwork-Decke wurde bereits gespendet.

Das Mauerwerk des Turms zeigte Risse auf der Nord- und Süd-Seite, die einander korrespondieren. In alten Berichten aus dem 18. Jahrhundert war von diesen Rissen bereits zu lesen. Unbeweglich steht der Turm seit etwa 250 Jahren, trotz dieser Risse. Aufwendige Messungen etwaiger aktueller Bewegungen des Mauerwerks konnten deshalb entfallen.

Der schöne Efeu an der Südseite der Kirche, der mit 12-15 cm dicken Matte das Mauerwerk überzieht, war im Traufbereich des Daches und an den Fenstern in alle Spalten und Fugen des Gebälks eingedrungen. Er musste zurückgeschnitten werden, um Schäden vom Bauwerk abzuwenden. Dennoch bleibt er erhalten.

Fotos: S. Ritzkowski weiter